manifesto

 

 

  

 

 

 

REALITY IS A FRAGILE CONSTRUCT OF SURFACES,

 

PATTERNS AND DREAMS,

 

AND META LEVELS ARE NEEDED TO FIND WHAT LIES BENEATH

 

 

 

AFTER ALL, IT IS DISTORTION

 

THAT BRINGS US CLOSER TO THE TRUTH

 

 

 

 

 


PAST EXHIBITIONS (SELECTION)

 

 

PETRA VON KAZINYAN

ABSTRACTS

 

SOLO SHOW

HO GALLERY, VIENNA

(2017)

 

 

"Jänner 2015 - Die Wiener Ho Gallery öffnet ihre Pforten zur Ausstellung “Alter Idem” - technisch auf Augenhöhe mit alten Meistern wie Caravaggio, Courbet und Velázquez zitiert Petra von Kazinyan in dieser Serie deren Portraits im Spannungsfeld zwischen Kunstgeschichte und Gegenwart - gestört von irritierenden Elementen in Form von Übermalungen, welche die Künstlerin als Metaebenen zur Entpersonalisierung nutzt. Jene Farbfelder stellen bereits einen wesentlichen und zukunftsweisenden Schritt Richtung Abstraktion dar - ein partielles Auslöschen des Figurativen. Die Entwicklung, welche sich zwischen “Alter Idem” und Petra von Kazinyans neuer Serie, den “Abstracts”, vollziehen wird, innerhalb von nur zwei Jahren - ist bemerkenswert.

 

Die Künstlerin bewegt sich mit ihren im Salzgries ausgestellten Werken in einer gänzlich neuen Sphäre - sie ist angekommen in der in sich geschlossenen Abstraktion. Ein Kulminationspunkt in ihrem Oeuvre - nicht umsonst von der Künstlerin auch namensstiftend für die ganze Serie stehend: die “Abstracts”. Eine Welt, die erstmals von Wassily Kandinsky erschlossen wurde, welcher es 1911 schaffen wird, in einem Aquarell vollkommen den Gegenstand hinter sich zu lassen.

 

Der gebürtige Russe sieht in der Kunst ein geistiges Phänomen. Dabei war er ganz und gar nicht alleine - die Zeit war reif für solcherlei Versuche: Die Kubisten beginnen 1910 den Gegenstand multiperspektivisch aufzusplittern, Delaunays Orphismus setzt 1912 an, die Futuristen stellen erstmalig 1912 in Paris aus und der Suprematismus Malewitschs beginnt 1913.

Kandinsky erlebt wie andere, dass sich ein Wandel vollzieht und der subjektive Sehakt zunehmend an die Stelle der Auseinandersetzung mit der Natur tritt. Die Kunstgeschichte wird von nun an nicht mehr dieselbe sein.

 

All jene Avantgardisten haben einen Kampf geführt - gegen das Gegenständliche mit seiner Jahrtausende alten Geschichte und waren dabei mit großer Ablehnung konfrontiert.

 

Warum aber dieser unersättliche Drang zur Abstraktion? Weil die Gegenständlichkeit ihre Grenzen hat - ihr Formenvokabular ist limitiert. Nur die Ungegenständlichkeit lässt eine Sprache des Geistigen zu.

 

Und so nimmt die Abstraktion kunsthistorisch ihren Lauf, diktiert von dem absoluten Glauben an den Anbruch einer neuen Ära.

Von jenen Jahren an oszillieren Kunstschaffende zwischen Abstraktion und Figuration. Beide Pole wirken mit ihren entgegengesetzten Triebkräften. Wie einige Maler vor ihr, hat auch Petra von Kazinyan ihren Weg in die Abstraktion über die gegenständliche Malerei gefunden.

 

Es ist erstaunlich, wie frei, aber auch wie kohärent sie in ihrem Ausdruck fortschreitet - sodass wir Ende 2017 erstmals ihre gänzlich abstrakten Arbeiten bestaunen können - allesamt entstanden in den letzten Monaten.

Was war ausschlaggebend für diesen Wendepunkt in ihrem künstlerischen Schaffen nach Jahren der realistischen Malerei? Für jene Abkehr vom Figurativen zugunsten einer neuen Sprache des Unbewussten - da wo der Künstler, in den Worten Petra von Kazinyans, ganz bei sich selbst ist.

 

Ihre Antwort auf die Suche dieses “bei sich seins” findet sie unter anderem in der “écriture automatique” der Surrealisten, an deren Methoden sie sich nährt: Nach dem Prinzip, dass Bilder, Gefühle und Ausdrücke möglichst unzensiert und ohne Eingreifen des kritischen Ichs wiedergegeben werden sollen, wodurch der Zufall und das Unterbewusste in den Vordergrund gestellt werden.

Das Auge über die Werke schweifen lassend, sind Schritte vor und zurück im Abstraktionsgrad zu konstatieren. Zwei der ausgestellten Werke, “Baum in Arles 1888” und “Schnee”, ist eine leichter eruierbare Gegenständlichkeit eigen - dennoch ist der Abstraktionsgrad bereits ausgeprägt.

 

Die Anwendung der Farbe ist frei und ohne Rücksicht auf perspektivische Forderungen. Einzelheiten werden zu größeren Flächen zusammengefasst, welche in spannungsvolle Beziehungen zueinander treten. Die beiden Werke stehen eröffnend für die Serie der “Abstracts”. Darauf folgend, geht es mit Werken wie “Equilibrium”, “Rot im Mitternachtssalon” und “Die Abwesenheit” deutlich in Richtung der Lyrischen Abstraktion - “l'abstraction lyrique”, welche Mitte der 1940er Jahre mit der “Nouvelle École de Paris” entstand und auch als "Tachismus" oder "informelle Malerei" bezeichnet wird. Die europäische Lyrische Abstraktion entstand nicht nur als Folge zu den vorangegangenen kubistischen und surrealistischen Bewegungen, sondern vor allem im Gegensatz zur Geometrischen Abstraktion. Für die Künstler in Frankreich war die Lyrische Abstraktion eine neue Möglichkeit des persönlichen Ausdrucks.

 

Diese emotionelle Aufladung mit ihrem sehr persönlichen und expressiven, visuellen Klang, ist in jenen Werken Petra von

Kazinyans stark spürbar. Plastisch-liquide Strukturen mit einer traumartigen DNA - überbordend, vibrierend und scheinbar permanent in Bewegung. Dabei entziehen sie sich jeder figurativen Assoziation.

 

Aus dieser lyrisch abstrakten Phase heraus, entwickelt Petra von Kazinyan schließlich die jüngsten Werke ihrer Serie: “Das grüne Zimmer” und “Anziehungskraft”. Jene Gemälde verlieren an emotionaler Dimension, nehmen zu an Ratio und Kühle und gewinnen an dieser Stelle an einer anderen - an der dritten Dimension. Die Linie wird zum dynamischen, sich selbst darstellenden Ausdrucksträger, welcher gleichzeitig Raum schafft und so nochmals die Plastizität der Formen hervorhebt.

 

Petra von Kazinyan schafft einen abstrakten Raum, der keineswegs an den Rändern der Leinwand zu enden scheint: Die Formen sind mit der Bildkante überschnitten und scheinen aus dem Bild herauszutreten. Daraus resultiert ein für den Betrachter unzugänglicher Raum, der irritiert mit seiner Schwerelosigkeit und von dem man nicht weiß, wo oben und unten sein möchte. Irritiert, verloren und fasziniert stellt man sich die Frage - Was ist Raum? Oder besser: Was ist Raum heute?

 

Jene Interrogation ist ein wichtiger intellektueller Baustein in Petra von Kazinyans Schaffen.

Als studierte Philosophin mit starkem Gegenwartsbezug reflektiert die Künstlerin in der Serie der “Abstracts” Machtpolitik, Territorialität, Zeit und Raum und nährt sich unter anderem von Ideen großer Denker wie Marc Augé und seiner Theorie des “non-lieu” und des kürzlich verstorbenen Zygmunt Bauman, wobei Letzterer mit seinem “Liquid Modernity”-Konzept fast grundlegend für eine Werkanalyse scheint. [...] Wichtig ist für das “Liquid Modernity”-Konzept vor allem die ständige Veränderung. Modern zu sein bedeutet zu modernisieren: kompulsiv und obsessiv. Es geht nicht mehr um das Sein - sondern vielmehr um das Werden. Das Komplette vermeidend, sind wir ständig “post-something”. Liquid Modernity ist die Überzeugung, dass Veränderung unsere einzige Konstante ist und Unsicherheit die einzige Gewissheit.

 

Vor hundert Jahren, in der Welt Kandinskys, stand “modern sein” für das Streben, ein absolutes und endgültiges Niveau an Perfektion zu erreichen. Heute bedeutet modern sein das ständige Jagen nach Verbesserung mit keinem vorstellbaren Endzustand in Sicht: Nur Veränderung ist permanent.

 

Petra von Kazinyan gibt uns in vielen Punkten die visuelle Antwort auf Zygmunt Bauman: Der schnelle Wandel in ihrem Werk, die Instabilität und Fragilität der Formen, welche ständig in Bewegung scheinen und Rastlosigkeit vermitteln, die Suche, die Thematisierung und die gleichzeitige Auflösung des Raumes. Aus jenen Werken spricht unsere Gegenwart."

 

Jacqueline Mühlbacher, Kunsthistorikerin

 

 


 

 

WOMAN'S ESSENCE: WOMAN ART AWARD 2017

 

GROUP SHOW / WINNERS EXHIBITION

ESPACE COMMINES, PARIS

(2017)

 

 

"Painting is the main medium of the artist's research, which also includes the use of photography and sculpture. Painting as a medium of natural expression, through which endlessly 'dealing with reality', wondering how the human being - as a social animal - acts in the present world. Different levels of perception alternate in scenery between dream and reality, past and future. At the center of her research lies the concept of identity in the era of social media, on a balance between reality and fiction, in a mise en scène of our own ego."

 

Dr. Laura di Trapani, Art historian

 

 


  

 

PETRA VON KAZINYAN

DISTORTED REALISM

 

SOLO SHOW

SVETA ART GALLERY, FRANKFURT AM MAIN

(2016)

 

 

"Bei dem Knaben, der scheinbar buchstäblich aus dem Rahmen seines eigenen Bildes steigt, handelt es sich um die Arbeit ESCAPE (AFTER PERE BORRELL DEL CASO) der in Wien lebenden Künstlerin Petra von Kazinyan, die darin das Werk FLUCHT VOR DER KRITIK des spanischen Malers Borrell von 1874 zitiert. Es ist ein verblüffendes Motiv, weil hier die Grenze zwischen Kunstwelt und realem Raum überschritten wird. 

 

Der Porträtierte macht sich selbständig und steigt aus seiner Zeit in unsere reale Gegenwart hinein. Diese Art der Grenzüberschreitungen fasziniert die Künstlerin, so dass sie in ihren Arbeiten kunsthistorische Sujets - in altmeisterlicher Schwarz-Weiß-Malerei - aus ihren Bedeutungszusammenhängen reißt und mit farbigen, gestischen Übermalungen verbindet. Die so entstehenden ironischen Zitate bettet sie in unsere Gegenwartskultur ein. [...]

 

Der rote Faden in ihren Werken ist der individuelle, alltägliche Kampf des Einzelnen vor dem Hintergrund einer von globalen Krisenherden und einer Social Media-Übermacht geprägten Gesellschaft. Das Thema der Selbstverliebtheit und -darstellung spricht von Kazinyan explizit in ihrer Arbeit ALTWELTAFFE IN GLEICHFÖRMIG BUNTER UMGEBUNG an. Der Affe als Inbegriff einer moralisch minderwertigen Art symbolisiert in der Kunst Eitelkeit und Lüsternheit. Die Künstlerin steigert diese symbolische Bedeutung, indem sie das Tier inmitten knallbunter Süßigkeiten platziert und so die Darstellung charakterlicher Oberflächlichkeit auf die Spitze treibt."

 

Dr. Anett Göthe, JOURNAL FRANKFURT, Ausgabe 20/16

 

 


 

 

ALTER IDEM

 

SOLO SHOW

HO GALLERY, WIEN

(2015)

 

 

In ihrem neuen Bilderzyklus ALTER IDEM (basierend auf dem berühmten Cicero-Zitat vom „anderen Selbst“) setzt sich Petra von Kazinyan mit Identitätsentwürfen im Social Media-Zeitalter auseinander – Selbstinszenierungen, Alter Ego-Projektionsflächen und die Ambivalenz zwischen Täuschungslust und Wahrheitssuche bilden den thematischen Kern der Ausstellung.

 

Im Spannungsfeld von Kunstgeschichte und Gegenwart werden zeitlose gesellschaftliche Phänomene wie Narzissmus, Exhibitionismus und Eitelkeit beleuchtet, die heute präsenter denn je erscheinen – sind Selfies wirklich Abbilder unseres Selbst? Oder eher Wunsch- und Zerrbilder? Worin liegt die menschliche Sehnsucht nach Followern begründet, und welche Rolle spielen Anonymität und Privatsphäre?

 

"In ihren realistischen Gemälden, die sie als 'Oberflächen, in denen sich der Betrachter spiegeln soll' versteht, setzt sie sich mit der Korrelation von kulturellen Tendenzen und individuellen Lebenskonzepten auseinander – im Spannungsfeld von Kunstgeschichte und Gegenwart werden die Mechanismen und Symbole der Popkultur thematisiert, vermeintlich gestört von irritierenden Elementen wie Übermalungen, die sie als Metaebenen nutzt, um neben der Entpersonalisierung des Gezeigten auch eine Konzentration auf den philosophischen Gehalt des Bildes zu bewirken."

 

Michael Ruben Minassian, Kunstinvestor-Magazin, Ausgabe 2/2015


 

 

LA VIE EN POP

 

SOLO SHOW

YOSHI'S CONTEMPORARY ART GALLERY, WIEN

(2013)

 

 

LA VIE EN POP deals with the machinery and the iconic symbols of our popular culture, using the element of ironic irritation and illuminating the art market’s star system in terms of socio-cultural memory patterns and different concepts of identification which are construed, conveyed or reinforced through educational media and the contemporary luxury goods industry.

 

"Mass production, mass consumption, mass hystery - it's all about mass phenomena today. And sometimes I ask myself: Where is the love? Or, like Thomas Mann once questioned - may it be that love one day shall rise, out of this universal feast of death, out of this extremity of fever?"

 

 

 



 

THE NEON KEYS

 

ART BEIJING

(2012)

 

 

THE NEON KEYS is a series dealing with the different levels of perception, and the mutual relationship between the present and the past, dream and reality.

 

"Although our shared physical reality is the most common state of reality we experience, there is also the state of dreaming which can be seen as another consciousness-expanding playing field of the mind.

 

Inspired by the classical Old Master portraiture of the Dutch Golden Age, the child protagonists in THE NEON KEYS series symbolize the historical dimension of viewing reality by collecting experience, which provides a metaphor for our daily existential cycle of life, whereas the surreal element of the neon-coloured keys serves as a futuristic projection surface depicting the intangible intersection between dream and reality as well as the human transition through the past, present, and the future."

 

ART BEIJING Catalogue, 2012